„Wolters – Die Nacht“ mit Udo Jürgens (31. 10. 1998)

Am Sonnabend, den 31. Oktober 1998 fand in der Braunschweiger Stadthalle die Veranstaltung „Wolters – Die Nacht“ statt. Den Auftakt und zugleich Höhepunkt des Abends lieferte Udo Jürgens, der zusammen mit dem Orchester Pepe Lienhard im Rahmen einer Gala dort auftrat. Hierzu war der Große Saal liebevoll hergerichtet und dekoriert worden. Unter einem lachenden, von der Hallendecke herabhängenden, Halbmond und vor einem im Takt der Musik blinkendem Sternenhimmel lieferten die seit vielen Jahren aufeinander abgestimmten Musiker eine 60 minütige Show ab, die beim Publikum sehr gut ankam.

Gala-Auftritt bei

Gala-Auftritt bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Ein Teil des Publikums saß an Tischen, die auf zwei Ebenen vor der Bühne platziert waren. Viele Zuschauer, die keine Tischkarte besaßen, fanden auf den seitlichen Emporen Platz und konnten so aus der Höhe auf die Darbietungen auf der Bühne herabblicken. Viele Besucher standen auch an den seitlichen Zugängen zur Bühne und erlebten eine Mischung der vergangenen Tournee „Gestern, Heute, Morgen“ und dem diesjährigen Auftritt auf dem „Hessentag“ in Erbach.

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Pünktlich um 20.30 Uhr betrat das Orchester Pepe Lienhard die Bühne und begann mit dem Opening zu „Gestern, Heute, Morgen“. Auf der Bühnenmitte erleuchtete der Flügel aus Plexiglas und Udo Jürgens begann, für das Publikum noch unsichtbar, hinter der Bühne, zu singen. Tausende, erwartungsvolle Augenpaare waren nun auf die Bühne gerichtet und warteten auf ihn: Udo Jürgens. Mit einem schwarzen Anzug gekleidet – das rote Einstecktuch aus der Brusttasche schauend – erschien er dann auch und brachte „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ zu Gehör. Wie immer wurde dieser Song mit eingehender Gestik und Mimik vorgetragen, so daß jedem der Sinn dieses Liedes klar wurde.

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Sicher bemerkten nur eingefleischte Udo-Fans die anfängliche Unruhe auf der Bühne, weil Udo’s Anschlag auf dem Flügel in der Halle nicht zu hören war. Dieser Fehler wurde sofort und unauffällig behoben. Ein Beweis dafür, daß hier wirklich alles live gespielt wurde. Nach einer kurzen Begrüßung folgte dann „Zärtlicher Chaot“. Diesen Song sang der Entertainer vor dem Flügel sitzend, zum Publikum gewand. Es folgte „Champagner regnet vom Himmel“ und wenig später dann „Jenny“, das älteste Lied dieses Abends, welches nahtlos mit den neueren Kompositionen des Künstlers verschmolz.

Als Udo zusammen mit dem Orchester Pepe Lienhard wieder etwas schnellere Töne anschlug, geschah das, was eigentlich meist erst gegen Ende eines typischen Auftritts von Udo Jürgens passiert: Eine Gruppe von Zuschauern lief zur Bühnenrampe, um ihren Udo hautnah erleben zu können, gefolgt von zahlreichen anderen Gästen, die nun ebenfalls einen Platz direkt vor der Bühne fanden. Wenn man bedenkt, daß es sich hier um eine Galaveranstaltung handelte, war das Stürmen der Bühnenrampe eindeutig verfrüht und nicht für alle Zuschauer vorteilhaft. Auch auf den Emporen stieg nun die Stimmung und Udo Jürgens hatte das Publikum wieder einmal mehr voll in seinen Bann gezogen.

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Ein Höhepunkt der Gala war sicherlich, daß „Ich war noch niemals in New York“ mal wieder in einer langen Version voll ausgespielt wurde. So kam das Feeling dieses hervorragenden Liedes voll zum Publikum herüber. Die Geschichte eines Mannes, der eigentlich nur Zigaretten holen wollte, dabei aber mit der Versuchung kämpft, einen Ausbruch aus seinem recht engen Leben zu wagen, aufzubrechen in die Ferne, mal etwas erleben – das kommt in dieser Version des Songs sehr gut zum Ausdruck.

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Unterstrichen wurde diese Sehnsucht nach Ferne noch durch den Auftritt der aus New York stammenden Sängerin Bonita. Das Orchester Pepe Lienhard spielte eine Passage aus „New York, New York“ und sie tauchte am Rand der Bühne, umhüllt von Nebel auf. Sie näherte sich Udo, dem Bonita wie in einem Traum erscheint, der zum Greifen nah ist, aber dann doch langsam wieder im Bühnennebel entschwindet, weil der Mut dazu noch fehlt. So endet also der Traum des Mannes – nicht aber der Wunsch nach Ferne – und er kehrt wieder nach Hause zurück.

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Es folgte anschließend „Schenk‘ mir noch eine Stunde“, das nahtlos in den Song „Singing in the Rain“ überging. Mit dem Beginn dieses Liedes erschien Billy Todzo auf der Bühne und präsentierte dem Publikum und Udo, der vom Flügel aus interessiert und begeistert zusah, eine Steppeinlage.

Nach einer weiteren, kurzen Stepp-Zugabe von Billy Todzo sang Udo das Lied „Ich bin dafür“. Mit diesem Song, welchen der Entertainer in seinem Beisein vorträgt, bewies Udo auch dem Teil des Publikums, die seine Lieder bisher nur oberflächlich kannten, dass eine wirkliche Botschaft in seinen Texten steckt.

Wenig später erzählte Udo Jürgens, dabei leise am Flügel spielend, daß ein solcher Abend in ihm die Erinnerungen an eine Tournee aufwecken lässt. Momentan sei er aber weniger auf der Bühne, sondern viel im Studio mit der Produktion eines neuen Albums beschäftigt. Dabei seien neue Lieder entstanden, über die er sehr glücklich ist.

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Dann wurde der Startschuss für die Medleys gegeben. Das begeisterte Publikum feierte Udo Jürgens, der nun viele seiner bekannten Hits anspielte. „Ein ehrenwertes Haus“, „Sag‘ ihr, ich lass‘ sie grüßen“ und „Mit 66 Jahren“ durften da natürlich nicht fehlen. Zwischendurch konnte ein Teil des Publikums, das direkt vor der Bühne stand, dem Künstler die Hand reichen oder Blumen und kleine Geschenke überreichen.

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Weiterhin folgten Hits wie „Paris, einfach so nur zum Spaß“, „Ich weiß, was ich will“, „17 Jahr, blondes Haar“ und „Merci, Cherie“. Besonders gute Stimmung kam auf, als Udo ,zusammen mit dem Geiger Christian Fink, das immer schneller werdende Lied „Spiel Zigan, spiel“ vortrug.

Als Zugabe, im Bademantel am Flügel sitzend, sang Udo dann noch zum Ausklang: „Denn jede Trennung ist so wie ein kleines Sterben. Ich kenne jedes Glück und jede Art von Schmerz, doch Dein ‚Auf Wiederseh’n, das geht mir diesmal mitten durch’s Herz. Dschungel voll Gefühl, wenn’s nun Abschied heißt: Dankbar für all das, was Ihr für mich seid. Aufbruch, immer neu, vorbei ist nicht vorbei! Ein Lied trotz aller Not und Steine werden Brot. Auf Wiederseh’n, was uns auch immer droht, good bye – Der zärliche Chaot…“

Udo Jürgens bei

Udo Jürgens bei „Wolters – Die Nacht“ am 31. 10. 1998

Zitat aus „Braunschweiger Zeitung“ vom 02. 11. 1998

Traumtänzer Udo als Stern der Partynacht

Die Wolters-Nacht war auch die Nacht des Udo Jürgens. Der Österreicher wurde am Sonnabend in der Stadthalle gefeiert wie kaum ein Stargast bei einem Brauereifest zuvor.
„Jemand bringt uns heute abend ganz besonders nach vorn“, hatte Brauerei-Vorstand Harald Wildhagen zu Beginn der Feier mit Blick auf Udo Jürgens bereits frohlockt, und er sollte recht behalten. Die Verpflichtung des 64jährigen, der wie stets vom Pepe Lienhard Orchester begleitet wurde, erwies sich als Glücksgriff. „Udo, Udo“ – Schreie gellten schon durch den im venezianischen Stil und mit 2300 roten Rosen aufwendig dekorierten großen Saal, als der beliebte Charmeur hinter der Bühne seine Stimmbänder noch mit Lindenblütentee ölte.
Mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit präsentierte der Altmeister, der die Klaviatur der großen Gefühle auf seinem gläsernen Schimmel-Flügel aus Braunschweig meisterhaft beherrscht, einen Querschnitt durch sein bisher letztes Tourneeprogramm „Gestern, Heute, Morgen“. Da fehlte kaum einer seiner vielen Erfolgsschlager aus den 70er und 80er Jahren, als da wären „Aber bitte mit Sahne“, „Ein ehrenwertes Haus“ oder „Heute beginnt der Rest deines Lebens“. Den Titel „Ich war noch niemals in New York“ sang wohl jeder der 3500 Partygäste mit. Erwartungsgemäß gab der umjubelte Traumtänzer die Zugaben im weißen Bademantel; die Autogramme schrieb er später im Foyer jedoch wieder im Anzug.
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