Udo Jürgens: „Der ganz normale Wahnsinn“ in Hamburg (11. 02. 2012)

Blick in die noch leere "O2 World" in Hamburg (11. 02. 2012)

Blick in die noch leere "O2 World" in Hamburg (11. 02. 2012)

Der Konzertabend mit Udo Jürgens & Orchester Pepe Lienhard in der „O2 World“ in Hamburg war für mich schon in dem Punkt eine absolute Besonderheit, dass es mir erstmals seit meinem ersten Konzertbesuch im Jahr 1992 gelungen war, dass ich im Vorfeld nichts vom Programmablauf des Abends wusste. Ich hatte mir bei „Ebay“ kurzfristig noch ein Ticket für die 11. Reihe ersteigern können, was für die nahezu ausverkaufte Hamburger „O2 World“ ja praktisch ganz vorne an der Bühne bedeutet. Meine Fotokamera, die ich eigentlich bei (fast) jedem Konzert dabei habe, hatte ich bewusst zu Hause gelassen, damit ich den Programmablauf komplett genießen konnte.

Udo Jürgens in Hamburg (11. 02. 2012)

Udo Jürgens in Hamburg (11. 02. 2012)

Bevor sich der riesige und eindrucksvolle Vorhang hob, hinter dem das Orchester Pepe Lienhard bereits positioniert war, gab es als Opening das Lied „Noch drei Minuten„. Sehr genial und absolut passend! Hat mich sehr gefreut, dass ich diesen Titel endlich mal live erleben durfte. Zählt dieses Lied doch schon seit vielen Jahren zu meinen absoluten Lieblingstiteln von Udo Jürgens!

Das Orchester Pepe Lienhard war wie gewohnt super! Seit Jahren ausschließlich mit hervorragenden Musikern besetzt, die die Titel von Udo Jürgens ganz hervorragend musikalisch darbieten. Besonders hervorheben möchte ich Francis Coletta, der mit seinen Gitarren schon so manches Solokonzert von Udo Jürgens begleitet hat und diesmal Teil des Orchesters ist. Gänsehaut pur gibt es bei den Violinen-Solos der Musikerin Asya Sorshneva

Endlich hat man sich offensichtlich dazu entschieden, eine Technik zu verwenden, die die begleitenden Projektionen auf der Leinwand gestochen scharf und farblich einwandfrei erscheinen lässt! Das war bei vorhergehenden Tourneen immer nicht ganz zufriedenstellend gewesen. Es wird mit mehreren Kameras gearbeitet, Bilder und reale Filmaufnahmen vom laufenden Konzert vermischen sich stimmungsvoll auf der Leinwand, die den Hintergrund der gesamten Bühnenfläche ausfüllt. So können Details auch von Zuschauern ganz weit hinten mitverfolgt werden.

Der erste Teil des Konzertes beinhaltete, wie seit Jahren üblich, überwiegend Songs aus dem aktuellen Album und anspruchsvolle Lieder, bei denen Zuhören angesagt ist:

  • Schenk‘ mir einen Traum
  • Dafür brauch‘ ich dich
  • Gegen den Wind
  • Die Frau, die ich nie traf
  • Du bist durchschaut
  • Glut & Eis
  • Flieg‘ mit mir / Fly With Me
  • Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient
  • Der ganz normale Wahnsinn
  • Der Mann mit dem Fagott / Filmmusik aus der gleichnamigen Verfilmung des Romanes von Udo Jürgens.

Beim letzten Titel vor der Pause wurden auf der Leinwand Szenen aus dem TV-Film eingespielt und zur Unterstützung des Orchester Pepe Lienhards wurde teilweise Playback von orchestralen Sequenzen der Filmmusik eingesetzt. Ist meiner Meinung nach für ein Konzert von Udo Jürgens & Orchester Pepe Lienhard eher untypisch, war der Sache aber in diesem Fall sehr dienlich. Die Filmmusik kam wirklich bombastisch rüber und das Publikum honorierte diese Darbietung mit Standing Ovation!

Nach der Pause wurde das Programm mit folgenden Titeln weitergeführt:

  • Heute beginnt der Rest deines Lebens
  • Mein Bruder ist ein Maler
  • Liebe lebt
  • Wenn ein Lied so wär‘ wie du
  • Alles ist so easy
  • Ich war noch niemals in New York
  • 17 Jahr, blondes Haar / Aber bitte mit Sahne
  • Was ich dir sagen will
  • Ein ehrenwertes Haus
  • Zum dritten Mal 25
  • Gaby wartet im Park
  • Ich weiß, was ich will / Mit 66 Jahren
  • Am Ufer
  • Bademantel-Zugaben

Auf dem aktuellen Album „Der ganz normale Wahnsinn“ fand ich den Titel „Alles ist so easy“ absolut untypisch für Udo Jürgens und deshalb gleich nach dem ersten Anhören genial. Ich hatte mich damals gleich gefragt, ob es dieser Titel wohl in das Programm der nächsten Tournee schaffen würde. Und ich war hocherfreut, dass ich „Alles ist so easy“ in Hamburg erleben durfte. Allerdings hatte Udo Jürgens an diesem Abend die Reihenfolge der Strophen dieses Liedes verwechselt, so dass die vorbereiteten Einblendungen auf der Leinwand nicht mehr passten. Egal.

Die Stimmung in der riesigen Arena war an diesem Abend super und bis in die letzten Reihen hatte es wohl niemanden mehr auf den Stühlen gehalten…

"O2-World" in Hamburg zum Ende des Konzertes

"O2-World" in Hamburg zum Ende des Konzertes

Mein Fazit: Für mich, der in der Regel mehrere Konzerte einer Tournee besucht und sich mit dem musikalischen Werk von Udo Jürgens über Jahre beschäftigt hat, ist das Programm sehr in Ordnung. Ganz anfreunden konnte ich mich mit dem diesmal besonders facettenreichen Programm allerdings (noch) nicht. Das Programm wirkte für mich irgendwie nicht aus einem Guss. Da gab es Jazz, orchestrale Filmmusik, inhaltlich und musikalisch äußerst anspruchsvolle Titel, sowie natürlich die bekannten Titel à la „Aber bitte mit Sahne„. Meiner Meinung nach ein mutiges Programm, besonders in der heutigen Zeit. Und ich frage mich, wie es wohl auf jemanden wirkt, der erstmals ein solches Konzert besucht. Für mich ist und bleibt Udo Jürgens der eindrucksvollste Musiker weltweit, besonders live auf der Bühne – auch mit 77 Jahren!

Hamburger Abendblatt vom 12. 02. 2012

HAMBURG. Rote Rosen und Standing Ovations, Bademantel und Schimmelflügel – Es ist alles da. Sänger Udo Jürgens hat sich einen beeindruckenden Stand im Showbu-siness ersungen. Jeder weiß, was auf einem Konzert des 77-Jährigen passiert, doch freut man sich auf jede Einzelheit seines unikalen Kosmos aus Liedern und Gesten.

„Noch drei Minuten“ singt Jürgens auch bei seiner „Der ganz normale Wahnsinn“-Tour, noch während der blaue Samtvorhang zwischen ihm und den 12.000 Gästen der O2 World hängt. Er singt vom Lampenfieber, davon, dass das Spiel seinen Lauft nehme und vor allem, dass diese zwei Stunden auf der Bühne jedes Mal seien, als Fliege er, als versinke die Welt um ihn. Darum singe er, lebe er – das Publikum dankt es ihm schon vor dem ersten richtigen Lied mit „Udo, wir lieben dich“ Rufen.

Udo Jürgens beginnt sein Set mit ein paar Stücken seines im letzten März erschienenen Albums „Der ganz normale Wahnsinn“: „Schenk mir einen Traum“, „Dafür brauch ich dich“ oder „Gegen den Wind“. Allesamt handeln auch die neuen Songs von Liebe und Aufbruch, davon, sich gegen den Wind zu stellen, weil nur dieser Auftrieb gibt. Doch es gibt auch Sozialkritisches: Zu einem groovenden Südsee-Rhythmus des Pepe-Lienhard-Orchesters singt Jürgens in „Du bist durchschaut“ von Kameraüberwachung und dem gläsernen Mensch auf Facebook. Doch natürlich kommen auch die Klassiker zum Einsatz bei seinem Konzert, das in zwei Teilen rund 30 Lieder umfasst. „Griechischer Wein“ und „Ich war noch niemals in New York“, „17 Jahr, blondes Haar“ und „Aber bitte mit Sahne“ werden sicher im schwarzen Dreiteiler mit roter Fütterung und rotem Einstecktuch vorge-tragen.

Nachdem Jürgens den Auftakt seiner Tournee wegen einer Erkältung vor zwei Wochen verschieben musste, macht er auf der Bühne der O2-World-Arena eine gute Figur. Der 1934 geborene Star tanzt kaum wackelig zu den Bossa-Nova klängen seiner gut 20-köpfigen Band, scherzt mit dem Publikum und lässt sich bereitwillig das rote Einstecktuch von frechen jungen Frauen bei der traditionellen Rosenübergabe stibitzen. Nun, der Anfang seines Lebens liegt ja auch erst elf Jahre zurück.

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