Udo Jürgens: Der Soloabend in Sögel (21. 08. 2010)

Udo Jürgens - Der Soloabend 2010

Udo Jürgens - Der Soloabend 2010

Sögel. Das ist der Name einer Gemeinde im Landkreis Emsland im westlichen Niedersachsen mit etwa 7000 Einwohnern. Hätte Udo Jürgens, zusammen mit dem Gitarristen Francis Coletta und Billy Kudjoe Todzo (Perkussion) an diesem Abend dort keines seiner Solo-Konzerte abgehalten, wären mir Name und Existenz von Sögel wohl für immer verborgen geblieben. Aber es ging wohl nicht nur mir so, denn auch Udo Jürgens erzählte, dass er vorher weder gewußt habe wo Sögel liegt, noch dass es dieses „Dorf“ überhaupt geben würde.

"Ludmillenhof" in Sögel

"Ludmillenhof" in Sögel

So kam es also, dass ich mich zu meinem insgesamt 96. Konzertabend mit Udo Jürgens nach Sögel aufmachte, wo am „Ludmillenhof“ das heutige Event stattfinden sollte. Meine Bilanz mit gutem Wetter bei Open-Air-Konzerten ist nicht sonderlich hoch. Heute zeigte sich das Wetter allerdings mal von seiner besten Seite und „Der Soloabend“ ging an einem lauen Sommerabend über die Bühne.

Etwa 4300 Sitzplätze warten auf die Besucher in Sögel

Etwa 4300 Sitzplätze warten auf die Besucher in Sögel

Am "Ludmillenhof", wenige Minuten vor Konzertbeginn

Am "Ludmillenhof", wenige Minuten vor Konzertbeginn

Da ich im Rahmen dieser Konzert-Reihe nur ein einziges Event besuchen werde, habe ich an diesem Abend auf das Fotografieren verzichtet und die Darbietungen auf der Bühne ganz einfach nur auf meinem Sitzplatz in der 12. Reihe genossen. Manchmal habe ich allerdings einen kleinen Schnappschuss in Richtung Bühne gemacht, die dann auch dementsprechend schlecht (besser: grausam) geworden sind:

Udo Jürgens - Der Soloabend am 21. 08. 2010 in Sögel

Udo Jürgens - Der Soloabend am 21. 08. 2010 in Sögel

Udo Jürgens hat nach eigener Aussage am heutigen Abend keine Effekte mit Feuer und wenige Effekte mit Licht im Programm, dafür aber viele Lieder. Und deshalb ist man  ja schliesslich als Besucher auch zum Konzert gekommen. Man merkte deutlich, dass auf der Bühne (drei) Vollblutmusiker standen und dass im laufenden Programm musikalisch auch improvisiert wurde. Darunter waren auch Lieder, von denen man niemals geglaubt hätte, dass diese mit nur drei Musikern live aufgeführt werden könnten. Ich kann mich inzwischen nicht mehr an alle der dargebotenen Lieder erinnern, aber im Programm waren am heutigen Abend folgende Songs:

  • Wir zwei
  • Hast du heute schon gelebt
  • Alles, was gut tut
  • Donnerstag
  • Der werfe den ersten Stein
  • Weichei
  • Ist das nichts
  • Gehet hin und vermehret euch
  • Der ganz normale Wahnsin
  • Ein ehrenwertes Haus
  • Was wichtig ist
  • PAUSE
  • Ladies and Gentlemen
  • Ein Bote aus besseren Welten
  • Was ich Dir sagen will / The Music Played / Un air sur mon piano
  • Vielen Dank für die Blumen
  • Wer nie verliert hat den Sieg nicht verdient
  • Der Schrei des Löwen
  • Der gekaufte Drachen
  • Tausend Jahre sind ein Tag
  • Ich war noch niemals in New York
  • Zum dritten mal 25 (Noch einmal 25)
  • Bis ans Ende meiner Lieder
  • Ich weiß, was ich will
  • Aber bitte mit Sahne
  • Siebzehn Jahr‘, blondes Haar
  • Griechischer Wein
  • Mit 66 Jahren
Udo Jürgens - Ein Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

Udo Jürgens - Ein Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

In Sögel kannten sich offensichtlich zahlreiche Personen gegenseitig im Publikum. Dies hatte zur Folge, dass jede Sekunde vor dem Konzert und nach der Pause zum Reden genutzt wurde. Auch schien die Pause einen derartig hohen Stellenwert zu haben, dass eine große Anzahl an Besuchern nur zögerlich nach der Pause ihre Plätze wieder einnahm – und damit den Künstler und den Rest des Publikums enorm störten. Oder wie soll man es sonst ausdrücken, wenn während der ersten beiden Lieder nach der Pause sich ständig Personen durch die Sitzreihen quetschen, in denen Leute sitzen, die den Darbietungen auf der Bühne folgen möchten?

Udo Jürgens - Der Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

Udo Jürgens - Der Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

Beim Lied „Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient“ kam es zu einem kleinen Zwischenfall: Kurz zuvor waren bei „Vielen Dank für die Blumen“ zahlreiche Besucher nach vorne zur Bühne gestürmt. Ein Ordner von der örtlichen Feuerwehr war damit offensichtlich nicht einverstanden und versuchte auf der linken Seite während dieses Liedes die Stürmer von der Bühne zu vertreiben. Daraufhin fühlte sich Udo Jürgens offenbar derartig gestört, dass er das Lied abbrach: „Dem Publikum werden hier keine Vorschriften gemacht! Es ist so, wie es ist!“ und deutete auf die Personen, die direkt vor der Bühne standen. Auch aus den ersten Reihen kamen Proteste, die nach der Fortsetzung des Liedes im Keim erstickt wurden: „Es ist nicht zu ändern, ein Ordner kann keine 150 Personen von der Bühne vertreiben. Wer hier stehen will, der kann dort stehen bleiben! Ich bin hier um Musik zu machen und kann nichts dafür! Übrigens ist es gut für den Kreislauf, wenn man zwischendurch mal aufsteht!

Udo Jürgens - Der Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

Udo Jürgens - Der Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

Udo Jürgens - Der Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

Udo Jürgens - Der Soloabend in Sögel am 21. 08. 2010

Mir hat dieser Abend ganz ausgezeichnet gefallen. Dass Billy Kudjoe Todzo ab dem Song „Der Schrei des Löwen“ ebenfalls auf der Bühne stehen und mit Gesang und Perkussion die anderen beiden Akteure unterstützen würde, hatte ich vorher nicht gewußt. Eine nette Überraschung! Besonders gefreut habe ich mich über das Lied „Gehet hin und vermehret euch“ gefreut, welches ich live noch nicht oft gehört hatte. Auch „Ein Bote aus besseren Welten“ klingt in der Solo-Version um Welten besser als von der CD. Dieses Lied wurdce meiner Meinung nach im Studio absolut „verhunzt“. Schön, dass man es heute mal wieder in einer anhörbaren Variante erleben durfte! Auch der neue und hochaktuelle Song „Der ganz normale Wahnsinn“ hat mir bestens gefallen! Hoffentlich wird hier bei der bald folgenden Studioversion nicht wieder das versaut, was diesen Song musikalisch ausmacht. Gefreut habe ich mich außerdem besonders, neben der ganz ausgezeichneten Stimmung, über die Lieder „Ist das nichts„, „Tausend Jahre sind ein Tag“ und „Zum dritten Mal 25„.

Artikel aus der „Osnabrücker Zeitung“ vom 23. 08. 2010

4350 Besucher feiern beliebten Entertainer

von Carola Alge

Eine laue Sommernacht voller Udo-Mania

Sögel. Udo-Mania pur. Mit lautstarken „Zugabe“- und „Udo“-Rufen, Ovationen im Stehen und lang anhaltendem Beifall haben die 4350 Besucher, darunter Prominenz wie Rudolf Seiters und der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann, am Samstag das Solo-Open-Air von Udo Jürgens im Ludmillenhof in Sögel bedacht. Zweieinhalb Stunden lang hat der Star sie bestens unterhalten. „Das war super. Fantastisch. Einfach toll“, schwärmen viele, als sie sich auf den Weg zu ihren Autos machen.

„Das muss man erlebt haben“, findet Stefanie Milbers. „Er war klasse“, schwärmt Christel Rave. Sie ist aus Börger nach Sögel gekommen, um ihren Lieblingssänger endlich einmal live zu erleben. Die 47-Jährige gehört zu den nicht mehr ganz „17-Jahr-blondes-Haar“-Damen, die ihre Gatten im Schlepptau haben. Viele Paare sind in der Menge zu sehen und gar nicht so wenige jüngere Fans. Keine Frage, Udo Jürgens, seit mehr als fünf Jahrzehnten im Showbiz, verbindet Generationen, kann Oma und Enkelin gleichermaßen mit seinem gut gemischten Programm begeistern.

Das beginnt in Sögel mit fünf Minuten Verspätung. Nicht alle Gäste haben von der kulinarischen Meile rechtzeitig auf ihre Plätze gefunden. Unter dem Beifall des Publikums betritt Udo Jürgens die Bühne. Auf der Bühne, durch Stufen von den Sitzreihen seiner Fans getrennt, wirkt er neben dem Klavier zwischen den großen Soundtürmen vor der riesigen Leinwand, die ihn auch in die hinteren Reihen gut sichtbar transportieren soll, im ersten Moment ein bisschen verloren, nimmt sie aber schnell mit seiner Präsenz ein. Die ersten Takte von „Wir zwei“ erklingen: „Wie lange ist es her, dass mein Klavier dein Herz begleitet hat.“ Der Einstieg könnte nicht passender sein für dieses Solo-Open-Air, das Jürgens-Lieder in dieser herrlich lauen Sommernacht ganz anders wirken lässt als bei den großen Tourauftritten mit Orchester. Manch bekannter, aber auch viele in den Hallen selten oder gar nicht gespielte Titel kommen jetzt so daher, wie der Österreicher sie einst am Klavier komponiert hat. Die Lieder sind inniger, erzeugen trotz der Weitläufigkeit der Anlage beinahe Wohnzimmeratmosphäre.

Das Programm stimmt, bietet für jeden etwas. Paare halten Händchen beim gefühlvollen „Was ich dir sagen will“, mancher Vater wird beim „Gekauften Drachen“ gedacht haben, dass er wegen des Berufs vielleicht zu wenig Zeit für seine Kinder hatte, ihnen statt Zuwendung Geschenke gegeben hat.

Udo Jürgens 2010 ist wie ein gut gereifter Wein. Längst nicht mehr stehen die „Gassenhauer“ im Mittelpunkt, sondern Songs, die eine Botschaft haben, die zum Zuhören zwingen. Seine Lieder sind musikalisch abwechslungsreich, modern, weit entfernt von Schnulzen. Eine deutliche Sprache ist angesagt, provokanten Themen geht er nicht aus dem Weg. Im Gegenteil. „Gehet hin und vermehret euch“ von seinem legendären „Blauen Album“ ist so ein Titel, der, hervorragend von Francis Coletta an der Gitarre begleitet, in den leisen Teil eines solchen Solo-Konzertes passt. Mit der Nummer hatte sich Jürgens vor 22 Jahren sehr deutlich gegen die weltweite Überbevölkerung ausgesprochen, die Haltung der katholischen Kirche gegen Geburtenkontrollen kritisiert. Bei vielen Radiosendern landete das Lied auf dem Index, das Album aber eroberte die Charts.

In die Charts schafften es viele seiner unzähligen Songs. „Ein ehrenwertes Haus“ zum Beispiel, die musikalische Abrechnung mit „Bohnerwachs und Spießigkeit“. Die darf in Sögel natürlich nicht fehlen, lässt die Fans das erste Mal so richtig mitgehen. Sie klatschen, schwenken die Arme im Takt der Musik, singen mit. Udo, in bester Spiellaune ins Emsland gekommen, genießt das sichtlich. „Ist das ein schöner Abend hier. Diese herrliche Stimmung zwischen den Bäumen. Ich genieße das“, plaudert er und bekennt, von Sögel vorher noch nie etwas gehört zu haben. Er sei rund um die Welt gereist, habe Auftritte in Peking und sonst welchen großen Städten dieses Erdballs gehabt und freue sich, jetzt auch in Sögel zu sein. Die Zuhörer quittieren es mit starkem Beifall. Eine erste junge Verehrerin traut sich an die Bühnenrampe, um ihrem Idol eine Blume zu überreichen – und ihm das rote Einstecktuch aus seinem schwarzen Sakko zu mopsen. Der Künstler lächelt.

Er wirkt zufrieden an diesem Abend, lässt sich nach der Pause auch nicht durch zahlreiche Gäste aus der Ruhe bringen, die minutenlang vorne an der Bühne vorbei zu ihren Plätzen gehen, obwohl „Ladies and Gentlemen“ bereits läuft. „Vielleicht hab ich ja zu früh begonnen“, witzelt er ihnen hinterher. Keinen Spaß versteht Jürgens allerdings, als wenig später 100 bis 150 Fans an die Bühne stürmen, dem Sänger ganz nah sein wollen, Ordner diese jedoch strikt zurückschicken. Jürgens unterbricht mitten im Song: „Hehe, was ist denn los? Das ist mein Publikum, das darf machen, wozu es Lust hat. Wir sind ja hier nicht bei den Salzburger Festspielen.“ Beifall der unbeirrt vorne stehen Gebliebenen und wieder dorthin Zurückkehrenden brandet auf. In den ersten Reihen Sitzende gucken teilweise irritiert; die Sicht wird ihnen etwas versperrt. Tipp des Entertainers: „Stehen Sie auf, das ist gut für den Kreislauf.“

Dynamisch und kraftvoll

Apropos Kreislauf. Ob eher laut oder eher leise, ob nachdenklich („Ein Bote aus besseren Welten“) oder mit Leidenschaft („Wer nie verliert, hat den Sieg nicht verdient“), Udo Jürgens wirkt immer noch dynamisch und kraftvoll, beweist Kondition. „Noch einmal 25“ handelt von einem Midlife-Crises-Tatterich. Udo ist dreimal 25 Jahre alt und weit entfernt von jenem Besungenen.

Und er ist für viele genauso Kult wie einer seiner populärsten Songs. Als der Marathonmann des deutschen Showbiz das unlängst mit den Sportfreunden Stiller erfolgreich remakte „Ich war noch niemals in New York“ anstimmt, geht die Post ab. Vereinzelte Wunderkerzen brennen, Kegel der perfekten Lichttechnik wandern von der Bühne zwischen den Gipfeln der Bäume, der Ludmillenhof wird abwechselnd dunkelviolett und blau angestrahlt. Die Gäste singen den Refrain wie aus einer Kehle, spenden nicht nur dem Sänger tosenden Beifall. Mit ihm auf der Bühne ist einmal mehr der in Marseille geborene Gitarrist Francis Coletta, der vor allem bei den Uptempo-Nummern brilliert. Er hat bereits viele Jürgens-Tourneen als Mitglied des Pepe-Lienhard-Orchesters begleitet. Wie auch Billy Gucho. Der Überraschungsgast begeistert an den Congas und gesanglich im „Schrei des Löwen“, den alle drei performen.

Was aber wäre ein Udo-Konzert ohne ihn: den weißen Bademantel. Wenn der 75-Jährige ihn anzieht, ist Evergreen-Finale angesagt. „Mit 66 Jahren“, „17 Jahr, blondes Haar“, „Liebe ohne Leiden“, „Merci Chérie“, all seine großen Hits erklingen feuerwerksartig, verabschieden das Publikum in die Nacht. Merci, danke, Udo, für eine musikalisch tolle Sommernacht vor einer herrlichen Kulisse.

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2 Kommentare zu Udo Jürgens: Der Soloabend in Sögel (21. 08. 2010)

  1. Hans-Hellmuth Merg sagt:

    Dieser Bericht gibt die Stimmung des Abends sehr gut wieder. Udo war klasse, die Atmosphäre auch und dass einige Gäste offenbar schon vorher dem Alkohol reichlich zugesprochen hatten und deshalb selbst gar nicht mitbekamen, wie laut sie redeten, war zwar störend, tat aber dem Gesamtereignis keinen Abbruch.

  2. Katrin Weigelt sagt:

    Hallo Stefan,
    vielen Dank für den tollen Bericht und die schönen Bilder. Besser hätte man diesen wunderbaren Konzertabend nicht beschreiben können- ich habe es genau so empfunden. Auch bei den Song-Highlights stimme ich Dir absolut zu! Ich finde allerdings außerdem die Kombination aus „Donnerstag“ & „Der werfe den ersten Stein“ sehr gelungen! Insgesamt ist es aus meiner Sicht ein ausgewogenes, facettenreiches Programm.
    Das einige Konzertbesucher dem Alkohol & privaten Gesprächen den Vorrang gaben, war sehr schade!! Aber Udo und seine zwei brillianten musikalischen Begleiter haben uns für alles entschädigt! …Ich freue mich schon auf Dresden.

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