Jubiläums-Gala Westpfalzhalle Zweibrücken 2002

Udo Jürgens in der Westpfalzhalle in Zweibrücken

Udo Jürgens in der Westpfalzhalle in Zweibrücken

Jubiläums-Gala „650 Jahre Zweibrücken“

Die Westpfalzhalle, eine zum Konzertsaal umfunktionierte Mehrzweckhalle, in Zweibrücken war am 20. September 2002 bis auf den letzten Platz ausverkauft. Sogar direkt links und rechts von der Bühne waren Sitzblöcke eingerichtet worden, wo man eigentlich so gut wie gar nichts sehen konnte. Udo Jürgens trat hier in diesem Jahr erstmals öffentlich mit dem Orchester Pepe Lienhard auf und präsentierte neben vielen bekannten Songs auch zwei seiner neusten Lieder…

Zusammen mit Anita Davis wurde...

Zusammen mit Anita Davis wurde...

...Ich war noch niemals in New York präsentiert.

..."Ich war noch niemals in New York" präsentiert.

In das Lied engebettet wurde der bekannte Song von Frank Sinatra New York, New York.

In das Lied engebettet wurde der bekannte Song von Frank Sinatra "New York, New York".

Im Rahmen des etwa zweistündigen Programms...

Im Rahmen des etwa zweistündigen Programms...

...gab es natürlich auch zahlreiche bekannte Hits...

...gab es natürlich auch zahlreiche bekannte Hits...

...wie Aber bitte mit Sahne oder Mit 66 Jahren.

...wie "Aber bitte mit Sahne" oder "Mit 66 Jahren".

Aber auch ganz neue Lieder waren im heutigen Programm eingestreut!

Udo präsentierte zwei seiner neuesten Lieder: "Es lebe das Laster" und...

Die Texte der ganz neuen Songs wurden von Udo Jürgens...

..."Weichei zum Frühstück". Um eventuelle Textunsicherheiten zu vermeiden...

...abgelesen, womit sich der ungewohnte Anblick mit Brille erklärt.

...las Udo den Text ab, das Orchester spielte ohne Arrangements mit.

Das Konzert in Zweibrücken dauerte etwa 2 Stunden und wurde ohne Unterbrechung durchgespielt. Einige Besonderheiten waren im Programm: Das Lied „Was wichtig ist“ wurde erstmals komplett mit Orchester präsentiert – auf der letzten Tournee wurde es beim Opening von Udo selber am E-Piano begleitet. Aus dem zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffenlichtem Album „Es lebe das Laster“ wurden zwei Songs präsentiert: „Es lebe das Laster“ und „Weichei„. Für beide Lieder gab es für das Orchester noch keine Arrangements, so dass improvisiert werden mußte. Dabei ein ungewohnter Anblick: Udo Jürgens mit Brille am Flügel, denn der neue Text war noch nicht geläufig und wurde deshalb vom Blatt abgelesen. Für einige Zweibrücker, die in den ersten Reihen vor der Bühne saßen, war es wohl ungewöhnlich, daß irgendwann große Teile des Publikums bis vor die Bühne stürmten und ihnen somit die Sicht nahmen. Ein Großteil stand dann jedoch auch auf und „feierte“ mit, einige wenige versuchten mit Beschimpfungen die Menge vor der Bühne zu vertreiben – allerdings erfolglos.

Nach etwa 90 Minuten war das Grundprogramm beendet.

Nach etwa 90 Minuten war das Grundprogramm beendet.

Ein kleines Bad in der begeisterten Menge der Besucher

Ein kleines "Bad" in der begeisterten Menge der Besucher

Udo Jürgens kehrt mit Blumen zurück auf die Bühne zum Orchester

Udo Jürgens kehrt mit Blumen zurück auf die Bühne zum Orchester

Udo Jürgens stellt dem begeisterten Publikum das Orchester Pepe Lienhard vor.

Udo Jürgens stellt dem begeisterten Publikum das Orchester Pepe Lienhard vor.

Anita Davis, Udo Jürgens, Pepe Lienhard

Anita Davis, Udo Jürgens, Pepe Lienhard

Unter den zahlreichen Zugaben waren einige voll ausgespielte besondere Leckerbissen: „Was ich Dir sagen will“ in drei Sprachen (deutsch, französich, englisch), „Lucky Old Sun“ und „Hier bin ich zu Hause„. Als nach dem Konzert das Saalicht eingeschaltet wurde, gab das Publikum keine Ruhe. Udo kam nochmals hinter der Bühne hervor und es gab eine weitere Zugabe. Dies hatte ich zuvor noch niemals erlebt. Eigentlich ist das Einschalten der Beleuchtung immer ein sicheres Zeichen dafür, dass das Konzert nun wirklich beendet ist. Alles in allem hat sich für mich die weite Anreise (630 km) mit dem Auto gelohnt…

Da Capo - Diverse Zugaben im Bademantel

"Da Capo" - Diverse Zugaben im Bademantel

Udo Jürgens wird vom Publikum lautstark gefeiert...

Udo Jürgens wird vom Publikum lautstark gefeiert...

...und gibt weitere Zugaben bei eingeschaltetem Saallicht.

...und gibt weitere Zugaben bei eingeschaltetem Saallicht.

Die Zugaben dauerten fast eine halbe Stunde!

Zugaben in Zweibrücken

Zugaben in Zweibrücken

Zugaben in Zweibrücken

Zugaben in Zweibrücken

Zugaben in Zweibrücken

Befreit – Erschöpft – Glücklich
Udo Jürgens in der Zweibrücker Westpfalzhalle

Die Umstände sind denkbar schlecht: Eine typische Sporthalle, in der es schwer ist, die Tonanlage immer richtig auszusteuern, große Lautsprecherboxen, die man nicht an die Decke hängen darf und dafür sorgen, dass die Zuschauer nicht die komplette Bühne im Blick haben, brettharte Stühle ohne Armlehnen für die Fans im Saal. Warum nur hat sich Udo Jürgens, der Superstar, auf das Abenteuer eingelassen, in der Zweibrücker Westpfalzhalle aufzutreten? „Es ist schön, außer der Reihe zusammenzuspielen, ich hatte schon Entzugserscheinungen“, bekannte er am Freitagabend freimütig, als er nach dem ersten Song schon mehr Beifall bekommt als andere Sänger sonst beim Schlussapplaus.
Und Jürgens schaut zu Pepe Lienhard und dessen Orchester, mit dem er schon x-mal auf Tournee war. In diesem Jahr gibt es keine Deutschland-Tour, die Gala haben die Zweibrücker ihrem Stadtjubiläums-Etat zu verdanken, dem Festival „Euroklassik“, der Hartnäckigkeit des scheidenden Festivalmachers Fritz Presl – und dem Mut des agilen 68-jährigen Vollblut-Musikers, immer wieder etwas Neues auszuprobieren.
Das gilt auch für die neuen Lieder, die er noch gar nicht auswendig kann. Also zieht er die Brille an, legt die Blätter zurecht, setzt sich an den gerade orange schimmernden Glas-Flügel, spielt ohne Band und singt „Eine Frau wie du braucht keinen Dunkel-Liebe-Macher und keinen Wie-war-ich-Frager. Eine Frau wie du braucht keinen Sissi-Film-Flenner und keinen Lindenstraßenkenner.“ Es klappt, beim zweiten Mal singen schon Etliche den Refrain des Liedes im Boogie-Rhythmus mit: „So einen hält doch niemand aus, schmeißt ihn raus“.
Im klassischen Wechsel folgt ein getragenes Lied auf ein schnelles, eine Ballade auf einen Stimmungshit. Ohne langwierige Verbeugungen zwischen den Songs. Denn Udo Jürgens ist ein Süchtiger: Er will Musik machen, er will auf der Bühne stehen, er will, dass alle zufrieden sind. Deshalb bittet er die gut 80 Fans, die bei den ersten Takten von „Hautnah“ an den Bühnenrand stürmen, um ihm nahe zu sein, sich immer wieder mal hinzusetzen, damit sie den dahinter Sitzenden nicht die Sicht nehmen. Auch das klappt.
Udo Jürgens wirkt locker, befreit, glücklich. Immer wieder gibt er Solisten die Bühne frei, sei es der stimmgewaltigen farbigen Sängerin Anita Davis, sonst im Background-Trio, gegen die er jedes Duett verlieren würde (Sinatras „New York, New York“), sei es dem farbigen Percussion-Spieler, der singt und ein witziger Stepptänzer ist („Singing in the Rain“), sei es dem Violinisten Christian Fink oder Pepe Lienhard an Querflöte und Saxophon. Normalerweise räumen nur Jazzer den Mitmusiker solch große Soli ein. Aber haben nicht etliche von Jürgens“ Klavierbegleitungen einen jazzigen Touch? Doch Jürgens fühlt sich in vielen Stilen zuhause, Walzer und Rock gehören dazu, in Zweibrücken scheint er wirklich mehr aus sich herauszugehen als sonst. Später wagt er ein zweites neues Lied, allein am Flügel.
Die wenigen Ansagen sind kurz: „Ein uraltes Lied, ich habe es 1969 komponiert und lange nicht mehr gespielt auf der Bühne“ („Was ich dir sagen will, sagt mein Klavier“). Er nimmt sich Zeit, die Hände der Fans zu schütteln, nimmt Blumen entgegen, macht behende Tanzschritte nach allen Seiten, als wäre er 20 Jahre jünger, greift zur Mundharmonika. Dass er schwitzt, kann man in der zehnten Reihe noch deutlich sehen. Trat er anfangs im dunklen Anzug auf, zieht er peu à peu das Jackett aus, die Weste, öffnet die Manschetten, das Hemd, kommt im unvermeidlichen weißen Bademantel auf die Bühne und singt weiter, als sei es die normalste Sache der Welt. Ist es auch, denn es betont die Vertrautheit und familiäre Atmosphäre, die er ausstrahlt.
Als Österreicher kann Jürgens locker ein paar Worte über die Bundestagswahl verlieren. Wenn’s ans Wählen ginge, sehe er Probleme wie zu Zeiten von Helmut Schmidt: Entweder liebe man den Politiker, aber nicht die Partei, die dahinter stehe, oder umgekehrt. Auf jeden Fall wolle er um 18 Uhr am Fernseher sitzen, um den Ausgang zu erfahren.
Sagt’s und singt mit der leicht kratzigen, schwankenden Stimme eines scheinbar Betrunkenen „Es lebe das Laster“, ein Art Grabgesang – und sein Lebensmotto, hat er doch vorher gesagt, dass man versuchen soll, das Leben zu genießen, weil man nur eins habe. Wer Udo Jürgens auf der Bühne erlebt, jungenhaft und altersweise zugleich, immer noch gut bei Stimme, selbst bei den Medleys seiner alten Hits, der glaubt es ihm sofort. Ebenso wie das Bekenntnis, es gefalle ihm in Zweibrücken gut, das wie Standard klingt und es doch nicht ist. Denn Standing Ovations hin, mehrere Zugaben her: Wenn der nach zwei Stunden pausenlosem Konzert sichtlich erschöpfte Entertainer noch einmal auf die Bühne kommt, als das Saallicht schon längst wieder die Sporthalle in all ihrer Hässlichkeit preisgibt, und vier weitere Songs spielt (das letzte mit dem Titel „Hier bin ich zu Hause“), dann muss dieser Abend auch für ihn etwas Besonderes sein.

Andrea Dittgen – RHEINPFALZ ONLINE, Sonntag, 22. September

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