Udo Jürgens 2006: TUI-Arena Hannover

Die TUI-Arena in Hannover

Die TUI-Arena in Hannover

Am Sonntag, den 26. 02. 2006 fand in der TUI-Arena, die sich direkt auf dem ehemaligen Expo-Gelände befindet, ein Konzert von Udo Jürgens und dem Orchester Pepe Lienhard im Rahmen der Tournee „Jetzt oder nie“ statt.

Die Arena machte einen recht guten Eindruck auf mich. Was man allerdings nach dem Konzert verkehrstechnisch erleben durfte, war nahezu unglaublich: Es ging gar nichts mehr. Von allen Seiten mußten Autos auf die Zufahrtstraße zur Autobahn bzw. der Straße, die von der Arena wegführt, fahren. Es war ein riesiges Chaos und mir absolut unverständlich, denn die Straßenführung wurde ja erst vor relativ kurzer Zeit (zur EXPO) geplant und erstellt.

Die Tour-Trucks

Die Tour-Trucks

Tour-Truck

Tour-Truck

Nach der Pause bzw. kurz vor Beendigung der Pause gab es noch einen kleinen Zwischenfall: In der Halle war plötzlich ein lautes Motorengeräusch zu höhren, dass sich sogar noch um drei Stufen steigerte. Zusätzlich wehte ein kühler Wind durch die Arena. Ursache war die riesige Lüftung, die an der Decke der Arena angebracht war. Die Lüftung machte einen solchen Lärm, dass sogar eine Ansage über Lautsprecher gemacht wurde, über die Fehlschaltung informierte und so manchen verschreckten Besucher beruhigte. Bis die Raumlüftung abgeschaltet war, dauerte es allerdings so einige Minuten. Diese Minuten waren dann später auch die Ursache dafür, dass das Bademantel-Finale verkürzt wurde, da das Konzert um Punkt 23.00 Uhr beendet sein mußte. Als Udo Jürgens nach der Pause wieder die Bühne betrat, ging er mit einem kurzen Kommentar auf den Vorfall ein und schickte einen Gruß an die Konstrukteure und das High Tech der heutigen Zeit. Manchem Konstrukteur würde er gerne mal die Hand reichen, aber – so wörtlich – ins Gesicht! Er erwähnte, dass man in vielen Hotels oftmals einen Pilotenschein mit Blindflugerlaubnis bräuchte, um das Wasser zum Laufen zu bekommen. Auch ging er auf das ernste Thema von unter der Schneelast zusammenfallenden Hallen, die in den letzten 20 Jahren gebaut wurden, ein. Bei vor 100, 200 oder 300 Jahren errichteten Bauwerken, so Udo, passiert in dieser Hinsicht nichts.

Udo Jürgens am schwarzen Konzertflügel

Udo Jürgens am schwarzen Konzertflügel

Udo Jürgens freut sich über den Applaus

Udo Jürgens freut sich über den Applaus

Ich war noch niemals in New York / New York Scene

"Ich war noch niemals in New York" / "New York Scene"

New York Scene

"New York Scene"

Applaus!

Applaus!

Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden mit Sabine Manke

"Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden" mit Sabine Manke

Udo Jürgens in der TUI-Arena in Hannover

Udo Jürgens in der TUI-Arena in Hannover

Das wünsch ich Dir

"Das wünsch ich Dir"

Aniko Elter

Aniko Elter

Danke mit Aniko Elter und Udo Jürgens

"Danke" mit Aniko Elter und Udo Jürgens

Mit 66 Jahren

"Mit 66 Jahren"

Gitarren-Solo bei Mit 66 Jahren von Oliver Keller

Gitarren-Solo bei "Mit 66 Jahren" von Oliver Keller

Finale von Mit 66 Jahren

Finale von "Mit 66 Jahren"

Die Musiker verabschieden sich vom Publikum in Hannover

Die Musiker verabschieden sich vom Publikum in Hannover

Das Bademantel-Finale zum Ende der Show

Das "Bademantel-Finale" zum Ende der Show

Udo Jürgens am Ende der Show alleine am Flügel

Udo Jürgens am Ende der Show alleine am Flügel

Ein letzter Händedruck an der Bühnenrampe

Ein letzter Händedruck an der Bühnenrampe

Udo Jürgens verläßt die Bühne - die Show ist vorbei...

Udo Jürgens verläßt die Bühne - die Show ist vorbei...

Immer, immer wieder“
„71 Jahr’, volles Haar: Udo Jürgens’ emotionaler Abend in der TUI Arena in Hannover“

Punkt 20 Uhr. Der starre Schattenriss hinter der himmelblauen Leinwand wird plötzlich lebendig. Er hebt den Arm, man erkennt ein Mikrofon in der Hand, die Musik beginnt. „In allen Dingen lebt ein Lied“, Udo Jürgens’ erster Song gestern Abend in der hannoverschen TUI Arena benennt sogleich das Motto dieser Werkschau: Lebe dein Leben und mache Musik daraus! Der Vorhang fällt. Schwarzer Anzug mit rotem Innenfutter, dazu ein rotes Einstecktuch, so sitzt Udo Jürgens am schwarzen Flügel. Das Orchester Pepe Lienhard, seit 30 Jahren dabei, setzt ein. Das Konzert ist vom ersten Moment an ein Triumph. Der Applaus der 7000 Zuhörer ist herzlich, feierlich, Jürgens nimmt ihn mit Haltung des Gewinners entgegen und legt gleich mit persönlichen Erinnerungen an frühere Auftritte in Hannover noch mehr Kohle in den Ofen, in dem ohnehin schon die Emotionen glühen: Es ist nicht selbstverständlich, dass ich über so viele Jahre immer wiederkommen durfte – und jedes Mal waren mehr Leute da. Das ist nicht normal, ich weiß das. Danke schön!“
In diesem Sinne nimmt dieser Abend bei Jürgens’ 20. Deutschland-Tournee anlässlich seines 50. Albums („Jetzt oder nie“) einen zunächst sehr persönlichen, manchmal melancholischen, ja fast rührseligen Lauf. „Bis ans Ende meiner Lieder“, der nächste Song, ist Udo Jürgens’ Umschreibung seines Schaffens und seines künstlerischen Antriebs: immer wieder an Grenzen stoßen, immer wieder den Augenblick zu suchen, der es lohnt, festgehalten zu werden. „Erinnerungen sind das Wichtigste“, wird Jürgens später noch sagen, die Augen halb geschlossen, dank einer riesengroßen Videoprojektion im Bühnenhintergrund für alle im weiten Rund zu erkennen. Dann tänzelt Jürgens zu „Jetzt oder nie“, strahlendem Bluesrock im satten Big-Band-Sound, am Bühnenrand und singt davon, wie es zu leben gilt: „Lasst uns die Sonne fangen / Dem Glück in die Bluse langen.“ Na bitte: Bei Udo Jürgens wechseln sich Leid und Lust immer noch fix ab.
Udo Jürgens Bockelmann, der in den Siebzigern noch jeden blöden Spaß im Unterhaltungsfernsehen mitgemacht, sich den jeweils aktuellen Musiktrends angebiedert und dazu privat für Schlagzeilen gesorgt hat, ist mittlerweile 71 und so etwas wie der Grandseigneur des deutschen Entertainments – wenn es denn so etwas wie deutsches Entertainment gibt. Udo Jürgens weiß, was er dem Swing und dem Chanson, was er Sinatra, Becaud und Gershwin zu verdanken hat – er weiß aber auch, dass er der erfolgreichste deutsche Komponist und Sänger ist. Dass seine Lieder überlebt haben. Weil sie Substanz haben und der Schlagerfalle ausweichen. Und er kleidet sie heute so, wie es sich für echte Evergreens gehört: abgeklärt, elegant, souverän, standesgemäß.
Das zeigt auch dieser Abend: Sein Auftreten, sein Spiel und das des Orchesters ist die alte Schule, hohe Kunst, goldenes Handwerk. Die Folge: Jürgens ist generationenübergreifend konsensfähig, ja kultverdächtig. Noch vor der Pause ist das erste Medley verklungen, die ersten Stapel Blumensträuße liegen auf dem Piano. Den musikalischen Blumenstrauß schmücken nun Boogie, Funk, Reggae, Rock, Balladen und was da alles blüht. „Ein ehrenwertes Haus“, erster großer Klassiker des Abends deutet die Richtung an, in die es nach der Pause gehen wird: Aus der Udo-Gala wird allmählich die Udo Party. Bei „Vielen Dank für die Blumen“ ist kein Halten mehr. Und dann rollt der Hitexpress:, „17 Jahr’, blondes Haar“, „Griechischer Wein“, „Aber bitte mit Sahne“, „Ich war noch niemals in New York“ – alles ist dabei.
Bei aller Ausgelassenheit – es ist eine würdige Rückschau eines Musikers, der ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein mit Dankbarkeit seinem Publikum gegenüber in Einklang zu bringen versteht. Die Zugaben im weißen Bademantel, längst ein Ritual, wären gar nicht nötig.“

Hannoversche Allgemeine Zeitung 27. 02. 2006


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